Phantom-Vibrations-Syndrom

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Als Phantom-Vibrations-Syndrom (PVS) bezeichnet man die irrtümliche Vorstellung von Besitzern von Mobiltelefonen, dass ihr Gerät vibriert, obwohl sie selbiges nicht bei sich tragen oder der Vibrationsalarm nicht ausgelöst wurde. Da es sich hierbei um eine Wahrnehmung ohne nachweisbaren externen Reiz handelt, ist es medizinisch betrachtet eine Halluzination.Das Phantom-Vibrations-Syndrom ist offenbar weit verbreitet und häufig. Mehreren Studien zufolge sind vom Phantom-Vibrations-Syndrom etwa 70 bis fast 90 % aller Mobiltelefonbesitzer betroffen. Die Ursachen für das Syndrom sind noch weitgehend unklar.

Im Informationszeitalter sind Mobiltelefone allgegenwärtig. Um die Störung anderer anwesender Personen zu vermeiden oder um in Bereichen, in denen durch einen zu hohen Geräuschpegel der akustische Rufton überhört werden könnte, eingehende Anrufe oder Nachrichten wahrnehmen zu können, stellen viele Mobiltelefonnutzer ihr Gerät auf den Vibrationsmodus. Dabei werden eingehende Nachrichten oder Anrufe dem Benutzer in Form eines Vibrationsalarms angezeigt, der im Wesentlichen taktil wahrgenommen wird.

In Studien und Umfragen wurde festgestellt, dass bei einer hohen Quote von Mobiltelefonbenutzern die häufige Nutzung des Vibrationsalarms zu Fehlwahrnehmungen führen kann: Sie empfinden die Vibration des Mobiltelefons, auch wenn dieses nicht vibriert. Dieses Gefühl wird als Phantom-Vibrations-Syndrom bezeichnet.In einer US-amerikanischen Studie mit 74 Ärzten im Praktikum (medical interns) lag die PVS-Prävalenz zu Beginn des Praktikums bei 78,1 %. Sie stieg während des Praktikums auf bis zu 95,9 %. Nach zwölf Monaten, dem Praktikumsende, ging sie wieder auf 80,8 % zurück, und zwei Wochen nach dem Praktikumsende sogar auf 50 %.

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                 Ursachen

Die genauen physiologischen und psychologischen Abläufe, die zu einem Phantom-Vibrations-Syndrom führen können, sind noch weitgehend unklar. Es gibt eine Reihe von Theorien zur Erklärung des Phantom-Vibrations-Syndroms.

Einige Autoren nehmen an, dass Mobiltelefone, insbesondere Smartphones, für viele Benutzer zu einem allgegenwärtigen Bestandteil des eigenen Körpers geworden sind. Ähnlich wie eine getragene Brille wird auch ein Mobiltelefon in der Hosentasche nicht mehr als fremd wahrgenommen, sondern quasi als ein Bestandteil des eigenen Körpers. Andere Reize, die beispielsweise Muskelzuckungen auslösen oder die Reibung von Kleidung auf der Hautoberfläche können dann fälschlicherweise dem Vibrationsalarm des Mobiltelefons zugeordnet werden.

Eine mögliche Ursache des Phantom-Vibrations-Syndroms ist die Fehlinterpretation von Signalen, die die Großhirnrinde (zerebraler Cortex) erreichen. Um die Vielzahl unterschiedlichster eingehender Signale handhaben zu können, sind im menschlichen Gehirn Filter und Signalverarbeitungsschemata vorhanden. Eines davon ist die zielgesteuerte Wahl (selektive Aufmerksamkeit).Im Fall des Phantom-Vibrations-Syndroms werden in Erwartung eines Anrufs oder einer Nachricht im Gehirn ankommende Signale als Vibration (=Anruf/Nachricht) fehlinterpretiert. Der tatsächliche Stimulus ist unbekannt und kann vielfältiger Natur sein. Mögliche Stimuli können die Berührung von Kleidungsstücken, Muskelkontraktionen oder andere sensorische Reize umfassen.

Je nach Studie schaut ein US-Amerikaner zwischen 46 und 150 mal am Tag auf sein Mobiltelefon. Eine 2010 von Nokia in Auftrag gegebene Studie stellt fest, dass der durchschnittliche Mobiltelefonbesitzer im Durchschnitt alle sechs Minuten auf sein Telefon schaut. Dieses Verhalten ist zwanghaft und an der Grenze zur Obsession. Intensive Nutzer (heavy user) von Mobiltelefonen können intensive Angstgefühle entwickeln, wenn sie nicht ihre Geräte auf Nachrichten überprüfen können oder gar vollständig den Zugriff auf ihr Gerät verlieren. Phantom-Vibrationen und -Klingeln sind möglicherweise Symptome dieser Ängste. Im Gegensatz dazu setzt jede empfangene Nachricht beim Empfänger Dopamin frei.Ein fehlgesteuerter Dopamin-Haushalt spielt bei psychotischen Symptomen, wie Halluzinationen, eine Schlüsselrolle.So ist die Freisetzung von Dopamin unter diesen Angstzuständen möglicherweise die biochemische Ursache für das Phantom-Vibration-bzw. Phantom-Klingel-Syndrom.

Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Phantom-Vibrations-Syndrom

Veröffentlicht von Aufgewacht

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9 Gedanken zu “Phantom-Vibrations-Syndrom

    1. Des stimmt schon das Handy ist ein Phänomen für sich….hat sich schon verändert….am Anfang konnte man nur telefonieren und SMS verschicken/bekomme…und heute durch Internet Zugang Photo,Apps etc kann man so gut wie alles machen und man kann über vieles erreichbar sein…da braucht man sich nicht wundern das ein Handy die rechte Hand des Menschen geworden ist….bestes Beispiel wenn man Menschen in U Bahn etc sieht jeder zweite sieht auf sein Handy….ich habe mir angewöhnt wenn ich unterwegs bin das Handy nicht mitzunehmen.

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  1. Das klingt schräg….wie ein Brillenträger, der auf Kontaktlinsen wechselt und trotzdem ständig die Brille hochschiebt….hihihihi…nun…ich merke den Vibrationsalarm in der Hose eh nicht, was aber noch eher dazu führt mal drauf zu schauen….hmhm

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  2. Dankeschön für diesen interessanten Blog. Hund sei Dank brauche ich kein Handy zum senden und empfangen von Nachrichten. Einfach das Beinchen heben und schon ist die Nachricht verschickt. Die ist für alle lesbar und bleibt für ein paar Tage lesbar. Und ein bisschen intensives Schnüffeln und ich habe alle Nachrichten gelesen. So brauche ich auch keinen Vibrationsalarm. GLG Odie

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