Chauvet-Höhle

​Die Chauvet-Höhle (französisch Grotte Chauvet) befindet sich nahe der Kleinstadt Vallon-Pont-d’Arc in Frankreich im Flusstal der Ardèche. Die 1994 entdeckte Höhle gehört zu den weltweit bedeutendsten archäologischen Fundplätzen mit Höhlenmalereien. Bisher wurden über 400 Wandbilder mit rund 1000 gemalten und gravierten Tier- und Symboldarstellungen erfasst.

Bild oben:Rumänische Briefmarke (2001): Steppenwisente aus der Chauvet-Höhle

Erforschung und Konservierung

Der hervorragende Erhaltungszustand der Kunstwerke und des Höhlenbodens verwehrt es zumindest für die nächsten Jahrzehnte, die Höhle für allgemeine Besuche zu öffnen. Derzeit ist eine Gruppe von gut 20 Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen an der Arbeit, um der Höhle einige ihrer Geheimnisse zu entlocken. Die Arbeit vor Ort ist dabei sehr genau reglementiert und wird mittels Klimasensoren überwacht, um das vorhandene Höhlenklima nicht in Gefahr zu bringen.

Die Zahlen des alters der Höhlenmalerei schwanken zwischen 28.000 und 35.000 Jahren.

                    Ausdehnung

Die Höhle ist von bisher in der Ardèche ungekannten Ausmaßen. Der heutige Zugang ist zunächst ein sehr schmaler horizontaler Tunnel, an dessen Ende sich ein senkrechter Abstieg von gut zehn Metern befindet. Die eigentliche Höhle kann in einer Länge von mehr als 500 Metern weitgehend mühelos begangen werden. Der Höhlenboden sinkt von vorne nach hinten nur etwa 24 Meter ab. Die horizontale Ausdehnung erstreckt sich auf einer Fläche von rund 240 × 100 Meter, sie umfasst vier große Säle von 12 bis 17 Metern Höhe, der größte Saal misst fast 40 × 60 Meter. Die derzeit kartographierte Gesamtfläche der Höhle umfasst rund 8140 Quadratmeter.

                     Darstellungen

Bemerkenswert sind die einzigartige Schönheit und Harmonie der Malereien in der Chauvet-Höhle. Erstaunlich sind der routinierte Umgang mit den zur Verfügung stehenden Malfarben (zunächst Holzkohle, aber auch roter und hellerer Ocker), die verwendeten Stilmittel (bis zur Darstellung von Bewegung), und die Komposition von teilweise ausgedehnten Bildwänden. Immer wieder wurde das Relief der Felswand genutzt, um Abbildungen wirkungsvoll zu präsentieren. Die verwendeten Farben wurden vor Ort aus Holzkohle, Naturocker und Lehm etc. hergestellt.
                               Tiere


Die dargestellten Tiere sind von einer bemerkenswerten Vielfalt. In Bildwänden von bis zu 12 Meter Breite erscheinen Tiere, die sich in der freien Wildbahn bekämpfen würden, in friedlichem Miteinander. Die Entdecker haben bereits über vierhundert Tierdarstellungen erfasst. Folgende eiszeitlichen Tierarten sind in der Chauvet-Höhle zu finden: Wollnashörner, Höhlenlöwen, Mammuts, Wildpferde, Höhlenbären, Höhlenhyänen, Rentiere, Bisons, Wisente, Auerochsen, Steinböcke, Riesenhirsche, Hirsche, Panther und eine Schnee-Eule.
Die Darstellungen sind bis in winzige Details und Bewegungsabläufe detailgetreu. Erstaunlich ist die häufige Abbildung von bisher eher selten in Höhlenmalereien vorgefundenen Tierarten, wie Wollnashörnern, Feliden und Höhlenbären.
Immer wieder fallen Darstellungen auf, in denen die Verdoppelung der Körperumrisse entweder Bewegungsabläufe signalisieren oder Tierpaare.
Entgegen früherer Hypothesen wurden keineswegs nur die gängigen Jagdbeutetiere zur Darstellung gebracht (etwa, um sie dann besser erlegen zu können). Es handelt sich auch um Tiere, die dem Menschen in der Natur gefährlich werden oder Angst einflößen können.Keines dieser Tiere aber wirkt auf die Betrachtenden feindselig, böse oder aggressiv. Im Gegenteil fällt auf, dass speziell die Zuneigung unter Tierpaaren, auch Nicht-Artgenossen, thematisiert wurde.

Bild oben:Darstellungen von Auerochsen, Pferdeköpfen und Wollnashörnern an den Höhlenwänden

                            Zeichen

Wie in anderen umliegenden Höhlen sind auch in der Chauvet-Höhle viele stilisierte Darstellungen und Zeichen zu finden. Besondere Beachtung verdienen dargestellte Mischwesen und Sexualsymbole (mehrfach erscheint das Schamdreieck, einmal mit einem Phallus), und die Präsentation eines Paares, das einen gemeinsamen menschlichen Unterleib aufweist, darüber ist die weibliche Partnerin eine Löwin und der Mann ein Bison. Die Bedeutung der wie in der Cosquer-Höhle vorfindlichen Handnegative und -positive ist noch ungeklärt.

                Tierische Reste

Auch paläontologisch ist die Chauvethöhle von außerordentlichem Interesse. Die in großer Zahl vorhandenen Knochenreste und -schädel stammen großenteils von Höhlenbären, von denen im Höhlenlehm nicht nur eine Fußspur (ein Pfotenabdruck von 15 mal 17 Zentimeter, ohne die Krallen), sondern auch Mulden der Winterruheplätze erhalten sind. Dagegen gibt es kaum Knochen von Mammuts, während etliche Felszeichnungen diese Tiere abbilden.

               Menschliche Fußspuren

Im Innern der Höhle gibt es eine Vielzahl von im feuchten Lehm erhalten gebliebenen Fußspuren. Gegenwärtig wird daran geforscht, ob hier bereits Hundespuren identifiziert werden können.

Über mehr als 70 Meter kann man die Fußspur eines etwa achtjährigen, wahrscheinlich männlichen Heranwachsenden verfolgen.Das Kind schlug seine Brandfackel in regelmäßigen Abständen an die Höhlenwand, um die Helligkeit zu steigern. Die C14-Prüfung der Kohlereste ergab ein Alter von 26.000 Jahren. Es wurde vermutet, dass es sich bei dem Jungen um einen Neandertaler handelte, der die Höhle und ihre Umgebung als Refugialraum nutzte.
Die Höhle scheint im Winterhalbjahr von Höhlenbären genutzt worden zu sein. Die Menschen haben sich immer nur ganz kurze Zeit in der Höhle aufgehalten. Spuren längerer Aufenthalte konnten nicht nachgewiesen werden.

Info: 

 Am 25. April 2015 eröffneten ein zur Schonung des Originals drei Kilometer entfernter, mit höchstem Aufwand für 55 Millionen Euro errichteter Nachbau der Höhle und ein Besucherzentrum.

Quelle:https://de.m.wikipedia.org/wiki/Chauvet-H%C3%B6hle

Veröffentlicht von Aufgewacht

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