Das Milgram-Experiment

In diesem Beitrag geht es um ein Menschenexperiment bzw einen Menschenversuch.
Heutzutage würde ein vergleichbares Experiment von vielen Psychologen als unethisch zurückgewiesen werden, da es die Versuchspersonen einem starken inneren Druck aussetzt und man sie über den wahren Zweck des Experiments täuscht. An vielen Universitäten stellte man als Reaktion auf diesen Versuch ethische Richtlinien über die Zulassung von psychologischen Experimenten auf. 
* 1961 sollten beim Milgram-Experiment Probanden andere mit Strom quälen. Es galt als Paradebeispiel dafür, wie Menschen bereit sind, schreckliche Befehle auszuführen. 

* Seit Jahrzehnten wird das Experiment deshalb als Paradebeispiel dafür angesehen, wie sehr Menschen dazu bereit sind, einer Autorität zu gehorchen, Befehle auszuführen und dabei auch vor schrecklichen Gräueltaten nicht zurückschrecken.

* Das Milgram-Experiment ist ein erstmals 1961 in New Haven durchgeführtes psychologisches Experiment, das von dem Psychologen Stanley Milgram entwickelt wurde, um die Bereitschaft durchschnittlicher Personen zu testen, autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen. Der Versuch bestand darin, dass ein „Lehrer“ – die eigentliche Versuchsperson – einem „Schüler“ (einSchauspieler ) bei Fehlern vermeintlich einen elektrischen Schlag versetzte. Ein Versuchsleiter (ebenso ein Schauspieler) gab dazu Anweisungen. Die Intensität des elektrischen Schlages sollte nach jedem Fehler erhöht werden. Diese Anordnung wurde in verschiedenen Variationen durchgeführt.

Bild oben: Das Milgram-Experiment

        Spiegel Online 15. März 2017

Fast jeder würde auf Befehl foltern

Stanley Milgram zeigte 1961, wie leicht man Menschen dazu bringen kann, andere zu quälen und zu töten. Nun wurde der legendäre Stromstoßversuch wiederholt mit 150V.

Und heute? Würden Menschen noch immer auf Befehl anderen Menschen schmerzhafte Stromstöße verpassen?

Ja, sagen Forscher von der SWPS University of Social Sciences and Humanities in Polen. Sie haben das Milgram-Experiment mit 80 Landsleuten wiederholt . Die Gruppe der Teilnehmer war gemischt, Männer und Frauen von 18 bis 89 Jahren alt, Schüler, Studenten, Berufstätige, Rentner.


Wie sich die Probanden verhielten, erschreckte die Forscher: Nur ein Viertel äußerte während des Experiments Zweifel oder Unbehagen, nur acht brachen es ab. 72 der 80 Teilnehmer gingen bis zur höchsten Stromstufe. Ob sie glaubten, dass der letzte Elektroschock dem anderen Schmerzen zugefügt hat? Sie bejahten.

Ablauf des Original Experiments

Bild oben: Milgram-Experiment

Der ganze Ablauf des Experiments ist wie ein Theaterstück inszeniert, bei dem alle außer dem Probanden eingeweiht sind. Solch eine Experimentalanordnung übernahm Milgram von seinem Lehrer Solomon Asch.Eine Versuchsperson und ein Vertrauter des Versuchsleiters, der vorgab, ebenfalls Versuchsperson zu sein, sollten an einem vermeintlichen Experiment zur Untersuchung des Zusammenhangs von Bestrafung und Lernerfolg teilnehmen. Ein offizieller Versuchsleiter (Experimentator, V) bestimmte den Schauspieler durch eine fingierte Losziehung zum „Schüler“ (S), die tatsächliche Versuchsperson zum „Lehrer“ (L). Die Verabreichung eines elektrischen Schlags, mit einer Spannung von 45 Volt, sollte der Versuchsperson die körperlichen Folgen elektrischer Schläge vergegenwärtigen. Zudem wurde das an einen elektrischen Stuhl erinnernde Versuchsinventar gezeigt, auf dem der „Schüler“ getestet werden sollte. Diese Versuchsanordnung mit der gewollten Assoziation wurde von den Probanden zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt.
Der Versuch bestand darin, dass der „Lehrer“ dem „Schüler“ bei Fehlern in der Zusammensetzung von Wortpaaren jeweils einen elektrischen Schlag versetzte. Dabei wurde die Spannung nach jedem Fehler um 15 Volt erhöht. In Wirklichkeit erlebte der Schauspieler keine elektrischen Schläge, sondern reagierte nach einem vorher bestimmten Schema, abhängig von der eingestellten Spannung. Erreichte die Spannung beispielsweise 150 Volt, verlangte der Schauspieler, von seinem Stuhl losgebunden zu werden, da er die Schmerzen nicht mehr aushalte. Dagegen forderte der dabei sitzende Experimentator, dass der Versuch zum Nutzen der Wissenschaft fortgeführt werden müsse. Wenn die Versuchsperson Zweifel äußerte oder gar gehen wollte, forderte der Experimentator in vier standardisierten Sätzen zum Weitermachen auf. Die Sätze wurden nacheinander, nach jedem geäußerten Zweifel der Versuchsperson, gesprochen und führten nach dem vierten Mal zu einem Abbruch des Experimentes seitens des Versuchsleiters. Damit die Sätze immer gleich ausfielen, wurden sie vorher mit dem Schauspieler eingeübt, insbesondere auch, um einen drohenden Unterton zu vermeiden.
Satz 1: „Bitte, fahren Sie fort!“ Oder: „Bitte machen Sie weiter!“

Satz 2: „Das Experiment erfordert, dass Sie weitermachen!“
Satz 3: „Sie müssen unbedingt weitermachen!“
Satz 4: „Sie haben keine Wahl, Sie müssen weitermachen!“

Es gab noch weitere Standardsätze in antizipierten Verlaufssituationen: Wenn die Versuchsperson fragte, ob der „Schüler“ einen permanenten physischen Schaden davontragen könne, sagte der Versuchsleiter: „Auch wenn die Schocks schmerzvoll sein mögen, das Gewebe (tissue) wird keinen dauerhaften Schaden davontragen, also machen Sie bitte weiter!“ Auf die Aussage des „Lehrers“, der „Schüler“ wolle nicht weitermachen, wurde standardmäßig geantwortet: „Ob es dem Schüler gefällt oder nicht, Sie müssen weitermachen, bis er alle Wörterpaare korrekt gelernt hat. Also bitte machen Sie weiter!“ Wenn nach der Verantwortung gefragt wurde, sagte der Versuchsleiter, er übernehme die Verantwortung für alles, was passiert. Die Versuchsperson reagierte auf die Stromschläge mit auf Band aufgenommenen Schmerzensäußerungen. Diese hatten Milgram in Prätestversionen des Experiments zunächst gefehlt, die Gehorsambereitschaft war dann aber so hoch, dass er sie hinzufügte.

              Ergebnisse (Auswahl)

26 Personen gingen in diesem Fall bis zur maximalen Spannung von 450 Volt und nur 14 brachen vorher ab.
In der ersten Versuchsreihe waren 65 Prozent der Versuchspersonen bereit, den „Schüler“ mit einem elektrischen Schlag mit den maximalen 450 Volt zu „bestrafen“, allerdings empfanden viele einen starken Gewissenskonflikt. Kein „Lehrer“ brach das Experiment ab, bevor die 300-Volt-Grenze erreicht war.

Quelle:http://m.spiegel.de/wissenschaft/mensch/a-1138728.html

Quelle:https://de.m.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment

Veröffentlicht von Aufgewacht

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Ein Gedanke zu “Das Milgram-Experiment

  1. das milgram-experiment wurde in meiner schulzeit auch behandelt.
    einmal in den 70er jahren in der 10. klasse und später in der fachoberschule im psychologieunterricht.

    das lernen mit gewalt bei fehlern habe ich selber erfahren müssen.
    zwar nicht mit stromschlägen, sondern mit schlägen von der mutter.
    besser sind meine zensuren nicht geworden, auch hat sich die beziehung zur mutter nicht verbessert, das gegenteil ist eingetreten.

    die bereitschaft anderen schmerzen und gewalt zuzufügen ist besorgniserregend.
    das lässt mich manchmal an der menschehit zweifeln.

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